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Zur Jahreslosung 2011 (Römerbrief 12,21)


"Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem."

	Bild zur Jahreslosung
Dazu folgende Geschichte: Eine seltsame Gasse am Rande der großen Stadt, dort, wo die Zeit still steht, wo der Putz von den Häuserwänden bröckelt, wo die Straßen voller Löcher sind, in denen das Wasser sich sammelt. Als das kleine Mädchen in die seltsame Gasse einbiegt, ist es ihr plötzlich, als ob sie unter Wasser gegen einen mächtigen Strom angehen müsse, oder gegen einen gewaltigen und doch unspürbaren Wind, der sie einfach zurückweht. Sie stemmt sich schräg gegen den rätselhaften Druck, zieht sich mühsam an Mauervorsprüngen weiter, kriecht auf allen Vieren und kommt doch nicht voran. "Ich komm` nicht dagegen an!" ruft sie schließlich ihrer Begleiterin zu, die ihr schon weit voraus ist, am anderen Ende der Gasse. "Hilf mir doch!"

Eine Szene aus dem Kinderbuch Momo von Michael Ende. Märchenhaft fremd die Szenerie. Vertraut, sehr vertraut das Gefühl: Ich trete auf der Stelle, mühe mich ab, doch es geht nicht voran, keinen Schritt. Ich bündele meine ganze Kraft, meinen ganzen Willen, werfe mich nach vorn: Vergebens. Alle Anstrengung ist umsonst. Ich komme nicht vom Fleck. Wir kennen diese Situation: Manchmal ist es eine Arbeit, mit der ich nicht vorankomme. Ein Problem, das ich nicht zu packen vermag. Manchmal ist es aber auch das Leben selbst, das sich in solcher Weise sperrt. Eine Lebens-Lage, in der ich mich festfahre: Die Beziehung vielleicht zu einem anderen Menschen. Oder ein Knick in der Karriere. Im Beruf. Der vergebliche Versuch, voranzukommen, weiterzukommen. Mit den anderen mitzuhalten. Besser zu sein. Der Beste zu sein. Oder auch nur: Überhaupt wieder Arbeit zu haben. Wieder Anschluss zu finden. Vergebliches Strampeln gegen den mächtigen Strom.

"Hilf mich doch!" schreit das kleine Mädchen. Hilfe kommt - so erzählt die Geschichte - von einem seltsamen Geschöpf: Während Momo mit dem Strom der Zeit kämpft, hat ihre Begleiterin, die Schildkröte Kassiopeia, langsamstes unter langsamen Wesen, längst das Ziel erreicht. "Rückwärts gehen!" Momo versucht es. Sie dreht sich um, geht rückwärts. Und plötzlich gelingt es ihr, ohne jede Schwierigkeit weiter zu kommen. Aber es ist höchst merkwürdig, was dabei mit ihr geschieht. Während sie nämlich rückwärts geht, denkt sie zugleich auch rückwärts, atmet sie rückwärts, empfindet sie rückwärts, kurz - sie lebt rückwärts.

"Rückwärts gehen!" Es gibt Lebens-Lagen, in denen man nur noch auf diesem Wege - weiterkommt. Ja, weiterkommt. Damit kein Missverständnis entsteht: "Rückwärts gehen" heißt nicht: Aufgeben. Heißt nicht: Resignieren. Heißt nicht: Sich treiben lassen. Heißt nicht: Den Kopf in den Sand stecken. "Rückwärts gehen" ist eine durchaus aktive, lebendige, meist auch ziemlich strapaziöse Geschichte.

Mag sein, dass das kleine Mädchen damit noch keine Schwierigkeiten hat. Doch wenn ich mich auf den Weg zurück mache, kommt mich das hart an, Schritt um Schritt, Schwelle um Schwelle, "Rückwärts gehen": Mich zu sehen, mich zu erleben, wie ich früher war. Menschen wieder zu begegnen, die ich verletzt habe. Die mich verletzt haben. Mit alten Fehlern, alten Dummheiten, alten Versäumnissen konfrontiert zu werden. Mit verlorenen Hoffnungen, verlorenen Jahren. Mit Fehlentscheidungen, mit Versagen, mit Schuld...

"Rückwärts gehen!" Wenn ich nicht vorzeitig aufgebe, nähere ich mich so aber auch meinen Wurzeln. Meinem Lebens-Ursprung. Meiner Heimat. Der Lebens-Quelle, der Lebens-Kraft, die mich einst ins Leben rief und von der ich heute noch zehre. Gehe rückwärts. Wie das Mädchen in der seltsamen Gasse. Manchmal löst sich der Bann. Der Sturm legt sich, bläst mir nicht länger mehr ins Gesicht. Leichter werden die Schritte. Ich spüre, wie ich wieder getragen werde vom Strom des Lebens. Vielleicht in eine ganz andere Richtung, auf einem anderen Weg, zu einem ganz anderen Ziel. Und ich begreife, dass ich ein Gefangener war: ein Gefangener vorgefertigter Lebens-Pläne, Lebens-Muster, Lebens-Ziele. Jetzt spüre ich: Ich bin wieder frei.

Rückwärts gehen: den Blick auf die Ursprünge, das Ursprüngliche richten. Auf die Ursprünge des eigenen Weges, des eigenen Lebens.

Auf den Ursprung des Lebens schlechthin - wie Dietrich Bonhoeffer dies formuliert:

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last,
ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
das Heil, für das du uns bereitet hast.
Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.
Lass warm und still die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.


Neu: Seelsorge-Sprechstunde jeden Donnerstag (Januar-April 2011)
in der Kapelle San Miguel in Morro Jable

Seelsorge
geschieht durch Gespräche. Wenn man sich aussprechen kann, klären sich die unterschiedlichen Gefühle, wie Hoffnungslosigkeit, Zorn und Angst.

Seelsorge
bietet die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen und sich mit der Situation, mit sich selbst und mit Gott auseinanderzusetzen.

Seelsorge
für alle, die eine Gesprächsmöglichkeit suchen, weil sie sich immer wieder Grenzsituationen des Lebens stellen müssen und häufig unter großer Belastung stehen.



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